ARBEITSWEISE BEIM HÜTEN

Cast – das Umrunden der Schafe

Darüberhinaus müssen sie die typische Arbeitsweise beherrschen. Border Collies laufen in einem großen Bogen um die Schafe, die zusammengetrieben werden sollen. Die genetische Veranlagung dazu wird „Cast“ genannt. Ein Border Collie mit „Cast“ läuft auch ohne viel Training einen angemessenen Bogen um die Schafe. Diese Verhaltensweise entstammt dem wölfischen Jagdverhalten ebenso wie das Border Collie typische Treiben der Schafe. Sie schleichen sich dabei wie Wölfe an ihre Beute an. Der Vorderkörper wird abgesenkt, die Rute ist konzentriert eingezogen, der Blick fixiert die Beute und der Schritt ist langsam. Diese typische Körperhaltung in Verbindung mit einem entschlossenen Vorwärtsdrang sowie dem starr auf das Schaf gerichtetem Blick löst eine instinktive Fluchtreaktion beim Schaf aus.

Gespannte Konzentration auf die Schafe und unbedingte Entschlossenheit, den Willenskampf mit den Schafen zu gewinnen, zeigt dieser Border Collie. Ein Blick in sein Gesicht macht klar, daß man es mit einer ausgeprägten Persönlichkeit zu tun hat.

Mutterschafe mit Lämmern oder Böcke können durchaus zum Angriff übergehen. Daher muß der Border Collie eine große Portion Mut und Geduld haben, um diesen Angriffen die Stirn bieten zu können. Bei großen Schafherden ist dies eine ständig wiederkehrende Aufgabe und verlangt ein hohes Maß an Frustrationstoleranz. Der Hund darf nicht aufgeben, auch in schwierigen Lagen muß er weiter Treiben.

Allerdings genügt es nicht, die Schafe nur zu fixieren. Die Hunde müssen auch den entsprechenden Drang haben, sie vorwärts zu treiben, sonst erkennen die Schafe nach einiger Zeit die Harmlosigkeit des Eindringlings. Über die Geschwindigkeit des nachtreibenden Border Collies und den daraus resultierenden Abstand zu den Schafen lässt sich die Fluchtgeschwindigkeit der Schafe steuern. Dies ist in unwegsamem Gelände besonders wichtig, damit sich die Schafe nicht zu Tode stürzen. Auch führt übermäßiger Streß bei den Tieren zu Gewichtsabnahme und ist daher bei allen Schäfern unerwünscht. Border Collies müssen deswegen auf Kommando exakt stoppen und sich im Tempo regulieren lassen.

Nun sollen Schafe ja nicht nur gerade vorwärts getrieben werden. Aus diesem Grund muß der Border Collie auch im Abstand rechts- oder linksherum um die Schafe flankieren können, um die Richtung zu ändern. Dieses Verhalten wird aus dem angeborenen „Cast“ trainiert. Ein sofortiger Stop mit anschließendem erneuten „Anschleichen“ versetzt den Schäfer in die Lage, den Hund präzise zu steuern, und damit auch die Schafe gezielt zu treiben.

Sheep Sense

Hilfreich ist dabei eine besondere Eigenschaft des Border Collies: „sheep sense“, der Sinn für das, was die Schafe als nächstes tun werden und sich ihnen am richtigen Punkt entgegenzustellen. „Sheep sense“ befähigt einen Hund, eine Herde Schafe zusammen zu halten, sie von einem Punkt aus zu treiben und Ausbruchsversuche im Keim zu ersticken. All das wird vom Border Collie mit minimalem Einsatz gefordert. Anders als der Altdeutsche Hütehund soll der Border Collie nicht immer hin und her laufen, sondern die ganze Herde möglichst ruhig von einem Punkt aus treiben. Je besser er dies beherrscht, desto mehr „Balance“ hat er. Diese Arbeitsweise beunruhigt die Schafe nicht unnötig und ist außerdem kräftesparend. Bedenkt man die Strecken und das Terrain, auf dem die Hunde arbeiten müssen, ist das ein wichtiger Faktor.

Anpackerqualität

Border Collies sind für die Arbeit an quasi wilden Schafen gezüchtet worden, das erklärt auch, warum er beim deutschen Wanderschäfer meist nicht den richtigen Arbeitsplatz finden kann. Bei 500 zahmen Schafen braucht es mehr Anpackerqualitäten als sie der feine Balancierer mitbringt.

Arbeiten auf große Entfernung

Kontrollierte Arbeit in großer Entfernung kann nur mit kooperativen Hunden erbracht werden. Natürliche Begabung für die Arbeit und eine hohe Kooperativität und Trainierbarkeit waren die Maßstäbe, die bei der Zucht angelegt wurden.
 
Das Resultat sehen wir am relativ leicht auszubildenden und lernbegierigen Arbeits-Border Collie. In Groß-Britannien heißt das „willing to please“ und ist ein Muß für einen potentiellen Arbeitshund.
 

Frustrationstoleranz

Aber mit Kooperativität lassen sich Schafe nicht beeindrucken. Nicht alle Schafe laufen automatisch vor einem anschleichenden Hund weg. Mutterschafe mit Lämmern oder Böcke können durchaus zum Angriff übergehen.

Daher muß der Border Collie eine große Portion Mut und Geduld haben, um diesen Angriffen die Stirn bieten zu können. Bei großen Schafherden ist dies eine ständig wiederkehrende Aufgabe und verlangt ein hohes Maß an Frustrationstoleranz.Der Hund darf nicht aufgeben, auch in schwierigen Lagen muß er weiterarbeiten und darf nicht nach Hause laufen oder auch nur schnüffeln gehen.

Eine gefühlvolle aber entschlossene Annäherung ist der Schlüssel zum kontrollierten Schafetreiben. Dieser Hund hat alle eventuellen Ausbrecher fest im Blick.

Quelle: http://www.border-wiki.de